Muttertags-Kaffeeklatsch ...
„Paula, was suchst Du eigentlich die ganze Zeit in Deinem Kleiderschrank?“ „Ich überlege, was ich zum Muttertag anziehe.
Dabei finde ich lauter alte Klamotten.“ „Na, dann mach`s doch wie Frau Merkel und zieh Deine alten Klamotten einfach an!“
„Paul, wir fahren zum Muttertag nicht mit Deiner Mutter ins Grüne. Erstens ist Benzin so teuer geworden und zweitens
müssen wir wegen der Krötenwanderung langsam fahren.“ „Paula, die Kröten sind längst von Deutschland nach Griechenland
und Spanien gewandert. Also, was unternehmen wir dann mit der alten Dame?“ „Deine Mutter rief gestern an und sagte,
dass sie ihre Freundinnen in die Cafeteria der Seniorenstiftung eingeladen habe. Aber nur die, die auch Mütter oder
Großmütter sind und im vergangenen Jahr keinen Besuch von Kindern und Enkelkindern erhielten. Sie wären sonst wieder
allein. Du kannst ja ein wenig auf Deiner Mundharmonika spielen.“ „Na, das kann ja heiter werden“, entgegnet Paul
und fährt fort: „ Ihr Schmusi hat was am Auge, Etagennachbarin schmerzt der linke Arm, der Canasta-Wally macht
die Bandscheibe Schwierigkeiten, bei der „Mensch-ärgere- Dich- nicht!“-Trude ist die Arthrose schlimmer
geworden, Blumenfrau Jette schwärmt vom Masseur ihrer Lymphdrainage und fällt nach dem Glas Wein wieder in
Ohnmacht, Raucher-Liesl pafft ohne Ende, Skat-Inge hat ihr Hörgerät zu leise eingestellt und Wodka-Natascha
schwärmt wieder von ihrem Alkoholiker Jelzin…, jede Dame redet über ihre Zipperlein und anschließend muss
ich wieder Mutters Apothekenschrank aufräumen. Sie hat so viel Medizin wie noch nie gehortet, aber weniger
Gesundheit! Nee, Paula, lass uns mit Muttern ins Grüne fahren, rede ihr den Kaffeeklatsch aus.“ „Paul, das
wird schwer werden. Du kennst doch Deine Mutter, sie will nicht, dass ihre Freundinnen allein den Tag
verleben.“ „Warum tun sich manche Kinder und Enkelkinder so schwer, ihre Mütter und Großmütter zu besuchen
oder sie einzuladen.“ „Paul, vielleicht- weil sie höhere Einkommen haben als wir, aber weniger Moral.“
Paula geht zum Schrank, holt Pauls Mundharmonika heraus und gibt sie Paul mit den Worten: „Übe bitte für
Deine Mutter ihr Lieblingslied „Man müsste noch mal 20 sein“ ein, darüber freut sie sich.“ Paul nimmt die
Mundharmonika, meint dann lächelnd: „Folgt der Mann stets dem Wunsch seiner Frau, ist der Ehehimmel strahlend
blau! Widerspricht er mal verwegen, gibt es Sturm und Regen! Drum ehre ich Euch Frauen wie Götter, dann haben
wir zum Muttertag auch schönes Wetter!“
Vorgetragen am 13. Mai 2012
Mehr „Paul und Paula“-Geschichten in den Büchern „Wenn der Paul mit der Paula“, herausgegeben vom apercu-Verlag-Berlin