Aus meiner Arbeit als Schlagertexter
Schon als junger Mann versuchte ich, eigene Gedanken aufs Papier zu bringen. Bei einem in Auswertung der zweiten Bitterfelder Konferenz 1960 durchgeführten "Literatur-Wettbewerb " von RADIO DDR erhielt ich eine Urkunde für mein erstes Gedicht "Immer vorwärts, niemals rückwärts geh’n".
Im Zusammenhang mit meinem kulturellen Einsatz im Org.-Büro "Fest der Freundschaft" in Leipzig- 1967- erkannte der Arbeitsgruppenleiter Hans Richter aus Dresden meine textlichen Ambitionen und erteilte mir den Auftrag, einen Text für ein "Massenlied" zu schreiben und einen Komponisten zu suchen. Der Rundfunk-Jugendchor Leipzig sang wenig später unten stehendes Lied- Komponist Alo Koll-: "Was Freundschaft kann,…". Notenblatt einsetzen
Während ich am Tag an diesem Text "arbeitete", schrieb ich am Abend meine ersten lyrischen Zeilen, gewidmet meiner "Leipziger Org.Büro- Liebe" Eva-Maria:
Der Herbst zog in das Land,
als ich Dich damals fand.
Bäume, Sträucher wurden kahl,
ich den ersten Kuss Dir stahl…
Über die Bekanntschaft mit dem singenden Ehepaar Sonja Siewert und Herbert Klein lernte ich 1969 den Berliner Komponisten Werner Böhme kennen. Seine "Urlaubsmelodie" mit der jungen Sängerin Tanja war damals sehr populär. Mit ihm als Komponist entstand mein erstes "Schlagerwerk": "War das die Liebe" – ein Medium-Beat.
Werner Böhme, der seinen Lebensunterhalt u.a. mit dem Orgel-Spiel bei "Medizin nach Noten" und im Restaurant am Fernsehturm verdiente, meldete uns bei Wolfgang Kähne, den Produktionschef von AMIGA an. Böhme hatte noch nie eine Platte veröffentlicht. Zum Gespräch nahmen wir auch einen zweiten Titel mit. Der Liebestext von 1967 wurde von mir beendet und Böhme machte eine wunderschöne Balladen-Musik: "Wie ein Aquarell".
Beide Titel boten wir für die Sängerin Sonja Siewert an.
Das Gespräch dauerte etwa 45 Minuten und endete mit der Aussage, dass "…gegenwärtig keine Platte mit Sonja Siewert geplant sei." (1970 erschien allerdings eine LP mit der Sängerin "Träumend geht der Tag zu Ende"). Böhme kannte sich in den Mechanismen besser aus und meinte, dass er zum Rundfunk gehen würde. Er tat es, im Lektorat wurden die Titel besprochen und es wäre fast zur Annahme gekommen, wenn da nicht plötzlich ein Lektorat-Mitglied die Frage nach der Herkunft des Texters gestellt hätte: "Wer ist Siegfried Trzoß?" Ja, wer war ich? Ein Newcomer und Böhme war auch noch ein "junges Talent".
So zogen wir von dannen… Böhme reichte wohl nie wieder eine Komposition ein…
Mir schlug man die Mitarbeit in einem Volkskunstzirkel vor. Ich korrespondierte in der Folgezeit dreimal mit der populären Textdichterin Ursula Upmeier (Ehefrau von Gerhard Honig), die weitere Texte von mir zu lesen bekam und mir Mut machte, nicht aufzugeben. Teamarbeit sei unter den Autoren üblich, ich möge mir einen neuen Komponisten suchen…
Den fand ich dann 1984, vermittelt durch den Chef von Lied der Zeit, Rudi Werion. Er las zehn Texte, befand acht für gut und verwies mich an Martin Möhle- Komponist, Arrangeur, Musiker und Leiter der "Berolina-Hauskapelle". Es begann 1986 mit ihm eine ersprießliche Zusammenarbeit, die erste Rundfunk-Produktion lief am 24.Dezember 1986 um 9.25 Uhr über den Sender von Stimme der DDR:
"Wir über 60", Interpret Herbert Klein. Der stimmungsvolle Walzer begleitet den Interpreten noch heute (!) bei seinen Auftritten.
Das "Team" Möhle/ Trzoß (Pseudonym Manfred-mein zweiter Vorname) schrieb Rundfunk-Titel für Karla Schreiter und Hartmut Eichler, Siegfried Uhlenbrock, Paul Schröder, Christine Wieland, Christa Warneke und Peter Skodowski.
Der viel zu frühe Tod von Martin Möhle beendete die Zusammenarbeit. Insgesamt entstanden während dieser kurzen Zeit mit Martin Möhle zehn Titel – sieben Rundfunkproduktionen, drei weitere bereits im Verlag "Lied der Zeit" veröffentlichte Werke kamen im Zusammenhang mit der Wende nicht mehr zur Rundfunk-Veröffentlichung. Alles waren stimmungsvolle Kompositionen.
Auf der Suche nach einem Melodiebetonten Komponisten traf ich 1988 im Friedrichstadtpalast den damaligen Chefarrangeur und populären Komponisten Hans Bath ("Ich hab Musik im Blut").
Aus einer anfangs zurückhaltenden Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute auf beiden Beinen steht.
Noch 1988 sangen Peter Wieland sowie Sonja Siewert und Herbert Klein erste Titel von uns: Peter schwärmte vom "Lindencafè" und das singende Ehepaar sang anlässlich seines 40-jährigen Rundfunk-Jubiläums "Liebling, wie die Zeit vergeht". Diese Textzeile war dann auch 1990 als Titel der AMIGA-Porträt-LP von Sonja Siewert und Herbert Klein angedacht. Die Wendewirren brachten dieses Produkt nicht mehr auf den Markt, obwohl das Cover schon fertig war…
Davon betroffen war dann auch der zweite Peter Wieland Titel "Kleine Werke großer Meister", bei dem ich zum ersten Mal zu einer bereits fertigen Hans-Bath- Musik einen Text schrieb.
2004 sang Dagmar Frederic in Begleitung von Günter Gollasch im PEWI-Studio diesen Song ein. Bereits einige Jahre zuvor nahm auch Julia Axen diesen Titel in ihr Programm und auf ihrer CD auf.
1989 hatte ich auch den ersten Kontakt mit den Komponisten Hans Kunze, Manfred Gustavus und Alfons Wonneberg. Angedacht waren Texte für die Interpreten Achim Mentzel, William Koberstedt, Wilfried Koplin und Catrin Daniel. Das Aus des DDR-Rundfunks und des VEB Deutsche Schallplatten brachte auch das Ende der staatlichen Musikproduktionen und führte zur Neuorientierung von Autoren und Interpreten.
Ich fand einen textlichen Neubeginn in der Zusammenarbeit mit dem Sänger und Komponisten Michael Hansen und seinem Musik-Studio- Wandlitz. Höhepunkt unserer gemeinsamen Arbeit war das zielgerichtete Schreiben von Titeln für die Sängerin Julia Axen und für die Preisträgerin meiner Talentshow "Lampenfieber" Antje Klann. Die Zusammenarbeit mit Michael Hansen dauerte gut fünf Jahre.
1998 lernte ich den Sänger und Komponisten Wilfried Peetz kennen. Seit jener Zeit gibt es mit ihm und seinem PEWI-Musikstudio eine kontinuierliche Teamarbeit. Zwischenzeitlich vertonten die Komponisten Teddy Goldhuber und Horst Krüger einige Texte.
Knapp zehn Jahre war ich Mitglied des Deutschen Textdichterverbandes. Meinen Austritt 2007 begründete ich damit, dass der Verband die Interessen der ostdeutschen Autoren im Zusammenhang mit Ehrungen und Auszeichnungen von Schlagertextern und dem Wirken der GEMA kaum berücksichtigt.